Ausstellung: SOMNIUM – Die Wirklichkeit des Bildes

Ein Projekt von Arthur Engelbert und Detlef Günther
EVA Berlin – Digitally Remastered, 8. – 10. Nov. 2017, Heinrich Hertz Institut, Berlin


DIE BOTSCHAFT

Ansichtskarte: DIE BOTSCHAFT

Ansichtskarte: DIE BOTSCHAFT




SOMNIUM
Die Wirklichkeit des Bildes: Joachims Traum


(Textauszug)

Die Figur des Joachims steht in einer weit zurückreichenden Bildtradition, die zu einem Freskenzyklus gehört, den Giotto di Bondone zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts für die Arenakapelle in Padua geschaffen hat. Giotto hatte sich zu jener Zeit auf die Überlieferung des Protoevangeliums des Jacobus aus der Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts bezogen. Joachim gehört also in einen bibelnahen Kontext, der zu der damaligen Zeit offensichtlich wichtig war. Denn Giotto hat in Padua u.a. zwölf Wandbilder, sogenannte Bilderkästen geschaffen, die die Lebensgeschichte der Gottesmutter Maria zeigen und den Raum der Kapelle für die bildliche anstelle einer schriftlichen Unterweisung öffnen. Hierzu zählen auch Begebenheiten aus dem Leben der Eltern von Maria, Anna und Joachim, die noch kinderlos sind. Im Traum wird Joachim geweissagt, dass seine Frau Anna, bald ein Mädchen zur Welt bringen wird.

Anna und Joachim werden auf die Geburt ihres Kindes Maria vorbereitet.Joachim, der der Überlieferung nach ein reicher Priester ist, kommt zweimal mit dem Engel in Berührung, einmal im Wachzustand und einmal im Schlaf. Während diese Figur nach und nach in Augenschein genommen wird, stellt sich gleich zu Beginn die Frage, ob Joachim den Engel, der in nächster Nähe auf dem Fresko von Giotto zu sehen ist, überhaupt bemerkt oder gehört, hat. Dabei ist klar, dass der Traum hier einen Zweck hat, denn er ist das Medium des Sakralen.

Was sieht der Betrachter wirklich, wenn er auf das Bild Joachims Traum von Giotto schaut? Die Zustimmung ist hier noch weiter zu differenzieren: „Gott“ – wer auch immer der Schöpfer der bildgewordenen Welt ist – kann den Betrug nicht mitliefern, d.h. das Faktische rein oder unrein, wahr oder unwahr vorgeben. Nur der Mensch kann das, und er vermag noch mehr; er kann auch lügen und betrügen, gewaltsam vorgehen oder unsinniger Weise morden, gleichgültig, ob das Faktische von ihm profan oder sakral angenommen, manipuliert oder schlicht durch Betrug zustande kommt. Der Betrachter sieht sich, wie er zusieht, indem er visuelle Angebote aufgreift und damit das Sehen ausschaltet, während er zustimmend alles – sei es nun abhängig oder unabhängig, sei es profan oder sakral – glaubt. Der Träumende wird aufgefordert zu glauben und zuzustimmen, was er im Wachzustand nur bedingt erkennt, wie der Betrachter vor dem Bild, der das Gleichnis vom Sehen mitverfolgt und es auf die Wirklichkeit des Bildes überträgt.

(Arthur Engelbert, Berlin, September 2017)

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Detlef Günther_Joachim_Andenken_3D_Druck, Polymergips, Höhe ca. 12 cm

Detlef Günther_Joachim_Andenken_3D_Druck, Polymergips, Höhe ca. 12 cm




SOMNIUM_2017


SOMNIUM – SKIZZENBUCH

Somnium_Skizzenbuch_cover


SOMNIUM – SLIDESHOW

SOMNIUM_Reality of the Image from Detlef Günther on Vimeo.



SIEBDRUCKE
(1. Auflage: je 12 Stck. – signiert, datiert, nummeriert)

Somnium_Joachim, Siebdruck_70 cm x 50 cm

Somnium_Joachim,
Siebdruck_70 cm x 50 cm

Somnium_Zustimmung, Siebdruck_70 cm x 50 cm

Somnium_Zustimmung,
Siebdruck_70 cm x 50 cm