Zitate …

„Gelb bedeutet Lösung, als Veränderung und Entfaltung, als Befreiung, als räumliche Weite und äußert sich als Suche nach Neuem.“ Lüscher

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Anschauen, um in den Prozess der Sichtbarkeit einzutreten, die, um mit John Berger zu sprechen, eine Form des Wachstums ist.

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Manches bleibt, manches verschwindet.

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Mir scheinen alle Ideologien äußerst töricht zu sein. Wichtig ist, daß wir beobachten, was tatsächlich in unserem alltäglichem Leben geschieht, innen und außen. (Jiddu Krishnamurti)

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Kunst ist allgegenwärtig, es kommt nur auf die Wahrnehmung an. (John Cage)

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Staub gibt es überall. (John Cage)

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Den Käfig der Vögel betreten ohne sie zum singen zu bringen. (John Cage)

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Das Ziel: die Erscheinung eines Dings (sogar eines unbelebten Dings) als Wachstumsstufe zu sehen – oder als Wachstumsstufe, an der es teilhat. Seine Sichtbarkeit ist eine Art von Blühen. (John Berger)

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Die Dinge sind ein Engramm des Denkens, sie sind geronnene, versteinerte Wahrnehmung. In ihnen artikuliert sich, was einer Zeit für wahr gilt, was sie für wahr nimmt.

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Der Mensch ist nicht interessanter
als die anderen vergänglichen Erscheinungen.
Denn Gott ist in allen.
Es ist überflüssig,
ihn zu personifizieren,
ihn zu benennen
oder etwas auswendig zu lernen.
Sich an die einfachen Dinge halten ist gut und richtig.
Im sehen soll man sich nicht darauf versteifen
was man aus dem, was man sieht, machen könnte.
man soll sehen, was ist.

(Wols – Aphorismen)

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Alle Erscheinung verändern einander unausgesetzt: visuell hängt eins mit dem anderen zusammen. Anschauen heißt, das Sehvermögen der Erfahrung dieser gegenseitigen Abhängigkeit unterwerfen. (John Berger)

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Gesellschaften bergen wie Menschenleben ihre eigene Interpretation in sich; man muß nur lernen, den Zugang zu ihnen zu gewinnen. (Clifford Geertz)

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Anschauen: alles, was den Umriss, die Kontur, die Kategorie, den Namen, den es trägt, überschreitet. (John Berger)

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Der Herr der gelben Erde wandelte jenseits der Grenzen der Welt. Da kam er auf einen sehr hohen Berg und schaute auf den Kreislauf der Wiederkehr. Da verlor er seine Zauberperle. Er sandte Erkenntnis aus, sie zu suchen und bekam sie nicht wieder. Er sandte Scharfblick aus, sie zu suchen und bekam sie nicht wieder. Er sandte Denken aus, sie zu suchen und bekam sie nicht wieder. Da sandte er Selbstvergessenheit aus. Selbstvergessenheit fand sie. (Chuan Tse)

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Die Erde ist gelb. (Chuan Tse)

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Etwas geschieht, und sobald etwas zu geschehen beginnt, kann nichts mehr sein wie früher. Etwas geschieht. Oder aber, etwas geschieht nicht. Ein Körper bewegt sich, oder aber ein Körper bewegt sich nicht. Und wenn er sich bewegt, beginnt etwas zu geschehen. Und selbst wenn
er sich nicht bewegt, beginnt etwas zu geschehen. …

(White Spaces (1978) aus: Paul Auster, Disappearence – Vom Verschwinden, Poems – Gedichte)

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Wer improvisiert, verlässt vorgezeichnete Wege, ohne schon genau zu wissen, wohin es geht. Diese Ergebnisoffenheit bietet neben dem Risiko des Scheiterns eine Faszination des Zufallenden. Sie eröffnet Spielräume,in denen sich Unvorhergesehenes ereignen kann. Daher kommt es beim Improvisieren nicht allein auf eine Haltung des Machens an, sondern auch auf die Bereitschaft zum Geschehen-Lassen.

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Ein Zen-Meister alter Zeit hat gesagt: “Sein-Zeit steht auf dem obersten Gipfel und in der tiefsten Tiefe des Meeres; Sein-Zeit ist drei Köpfe und acht Ellbogen; eine Höhe von sechzehn oder achtzehn Fuß ist Sein-Zeit; der Stab eines Mönchs ist Sein-Zeit; hossu* ist Sein-Zeit; die Steinlaterne ist Sein-Zeit; Taro ist Sein-Zeit, Jiro** ist Sein-Zeit; Erde ist SeinZeit, Himmel ist Sein-Zeit.

“Sein-Zeit” heißt, daß Zeit Sein ist. Jegliches daseiende Ding ist Zeit.

(Dogen Zenji / „Sein-Zeit“)

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Wenn es stimmt, daß die Zeit nur scheinbar ist, ein bloßer Behelf für unsere Vorstellung, die in ein Nacheinander zerlegt, was wesentlich eine Allgegenwart ist; wenn alles das stimmt, was mir immer wieder durch den Kopf geht, und wenn es auch nur für das eigene Erleben stimmt: warum erschrickt man über jedem Sichtbarwerden der Zeit? (Max Frisch: Tagebuch 1946-1949, Berlin, 1987)

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Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur. (Max Frisch: Tagebuch 1946-1949, Berlin, 1987)

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